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Fallbeispiel Heitkamp BauHolding

 

Rettung aller Tochtergesellschaften mit 1.100 Mitarbeitern

Der Heitkamp-Konzern kam wegen europarechtlich unklarer Steuerfragen in eine Liquiditätskrise, so dass die Holding Insolvenzantrag stellen musste. Es drohte in der Folge auch die Insolvenz der Tochtergesellschaften. In nur drei Monaten konnte Dr. Dirk Andres als Insolvenzverwalter die wesentlichen Tochtergesellschaften verkaufen. Hierdurch wurden nahezu alle Arbeitsplätze erhalten und wesentliche Vermögenswerte für die Gläubiger realisiert. Insgesamt werden in diesem Verfahren noch mehr als 60 Baurechtsstreite von erheblichem Umfang zum Teil international fortgeführt.

 

Key Facts

275 Mio. Umsatz

1.100 Mitarbeiter



5 Monate Sanierungsdauer

98 Prozent der Arbeitsplätze gesichert

 

Ausgangssituation

Der Konzern mit acht operativ tätigen Tochtergesellschaften und rund 1.150 Mitarbeitern schloss 2007 mit seinen Gläubigern einen Sanierungsvergleich. Seit dem wurden alle Gewinne der Konzerngesellschaften zur Bedienung des Vergleichs verwandt. Aufgrund der Kehrtwende in der Energiepolitik im Frühjahr 2011 sowie der europarechtlich nicht abschließend geklärter Fragen zum Umgang mit § 8c KStG geriet die Holdinggesellschaft in eine drohende Liquiditätskrise. Die Geschäftsführung stellte vor diesem Hintergrund am 22. November 2011 Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bochum für die Holdinggesellschaft. Dr. Dirk Andres wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt. In der Folge wird er bei weiteren fünf Gesellschaften, die jedoch nicht operativ tätig sind zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

 

Das Insolvenzverfahren

Eine Sanierung des Konzerns durch einen Insolvenzplan schied vorliegend aus, da diese von den Beteiligten abgelehnt wurde. Zudem war es unwahrscheinlich einen Interessenten für die Übernahme des Konzerns in seiner Gesamtheit zu finden, auch wegen der ungeklärten europarechtlichen Steuerproblematik. Es galt daher die acht wesentlichen operativ tätigen Tochtergesellschaften zu veräußern, um einen möglichst hohen Erlös für die Gläubiger zu erwirtschaften. Hierfür war es erforderlich, dass die Tochtergesellschaften nicht ebenfalls in ein Insolvenzverfahren fielen. Aufgrund der Tatsache, dass die involvierten Banken und Kreditversicherer den Aval-Rahmen sowie die Kreditversicherungen für alle operativen Tochtergesellschaften unmittelbar nach der Antragstellung kündigten, drohte dies. Dr. Dirk Andres stand vor dem Problem, ohne unmittelbare rechtliche Zugriffsmöglichkeiten bei den Tochtergesellschaften zusammen mit diesen Lösungen für die Finanzierung der kommenden Monate finden zu müssen. Letztlich ist dieses durch eine Vielzahl von Gesprächen mit Kunden und Lieferanten sowie ein aktives Liquiditätsmanagement gelungen. Zudem wurde wegen des engen Zeitrahmens sehr kurzfristig mit der Suche nach Investoren für die Tochtergesellschaften begonnen. In Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung der Holding ist es sodann in nicht einmal fünf Monaten gelungen für alle Tochtergesellschaften neue Eigentümer zu finden. Alle rund 1.100 Arbeitsplätze konnten dabei erhalten bleiben. Lediglich im Bereich der Holding kam es zu einem Wegfall von ca. 35 Arbeitsplätzen. Die ausländischen Tochtergesellschaften in Litauen, Tschechien und Russland wurden vom Insolvenzverwalter liquidiert.

 

Ergebnis

Alle Tochtergesellschaften konnten innerhalb von weniger als fünf Monaten verkauft und alle rund 1.100 Arbeitsplätze dort erhalten bleiben.

 

Ausgewählte Medienberichterstattung

Baukonzern Heitkamp wird zerschlagen (Rheinische Post, 10. März 2012)

Baukonzern Heitkamp wird zerlegt (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 24. Feburar 2012)

Stricker übernimmt Infrastruktur-Töchter von Heitkamp (BauMagazin, 20. Januar 2012)

Bau-Riese Heitkamp aus Herne meldet Insolvenz an (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 22. November 2011)